Graf János Esterházy

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Buch Graf János Esterházy

Graf János Esterházy, Spross der berühmten Adelsfamilie, war mit einer Rede auf dem Wiener Minderheitenkongress im Juli 1932 hervorgetreten und übernahm noch im selben Jahr die Führung der Ungarischen Christlich-Sozialen Partei in der CSR. Esterházytrat insbesondere für die Minderheitenrechte ein, die den Ungarn bei der Gründung des tschechoslowakischen Staates im Jahr 1918 versprochen, aber niemals eingeräumt wurden, und verlangte darüber hinaus das Recht auf Selbstbestimmung für alle Nationalitäten im Karpatenbogen.


Die Linie einer konstruktiven Vertretung der ungarischen Minderheiteninteressen bei gleichzeitigem Bemühen um ein friedliches und verständnisvolles Zusammenleben mit den Slowaken setzte János Esterházyauch in der seit März 1939 "unabhängigen" Slowakei fort und entwickelte sich zu einem unbeugsamen Kämpfer für die Menschenrechte. Entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, setzte sich Esterházypersönlich für verfolgte Juden ein. Besonders eindrucksvoll schildert Szent-Ivany die Ereignisse des 15. Mai 1942. Im Pressburger Parlament stimmte Esterházyals einziger Abgeordneter gegen das Gesetz über die Deportation der slowakischen Juden und nannte es "eine Schande, dass eine Regierung, deren Präsident und Ministerpräsident sich als gute Katholiken bekennen, die jüdische Bevölkerung in die Konzentrationslager Hitlers deportieren lässt".

Trotz der klaren und eindeutig dokumentierten antifaschistischen Haltung Esterhazys liess ihn der tschechoslowakische Volkskommissar Gustav Husak im Mai 1945 als "Kriegsverbrecher" verhaften und dem sowjetischen Geheimdienst NKWD ausliefern. Nach Folterungen, Verurteilung und Zwangsarbeit in einem nordsibirischen Lager wurde Esterházy, infolge übermässiger Schwerarbeit und Unterernährung bereits schwer krank, 1948 in die Tschechoslowakei zurückgebracht. Das in Abwesenheit wegen "Kriegsverbrechen" verhängte Todesurteil wurde in einem "Gnadenakt" von Ministerpräsident Klement Gottwald in jene lebenslange Haftstrafe umgewandelt, die János Esterhazy bis zu seinem Tod im Jahr 1957 in mehreren Gefängnissen der Tschechoslowakei erduldete.


Unter dem Titel "Der mühsame Weg zur Versöhnung" berichtet Alice Esterházy-Malfatti von der feierlichen Gedenkmesse für János Esterházyim Dom von Pressburg im März 1991 - dem ersten ungarischen Gottesdienst seit 1945 - und ruft das Gefühl in Erinnerung, "dass endlich eine neue Ära der Versöhnung angebrochen" sei. Anfang 1993 wurde János Esterházy von der Russischen Föderation als "Opfer politischer Vergeltung" rehabilitiert. Auf die Annullierung des Kaschauer Regierungsprogramms vom April 1945, in dem die Ungarn in der Slowakei als "Faschisten und Zerrütter der Tschechoslowakei" verurteilt wurden, warte die gesamte ungarische Minderheit aber bis zum heutigen Tag, schreibt Alice Esterházy-Malfatti im Anhang des Buches.


Gabor Szent-Ivany: "Graf János Esterházy. Führer der ungarischen Minderheit und das Schicksal der Ungarn in der Tschechoslowakei/Slowakei nach dem Ersten Weltkrieg", herausgegeben von Alice Esterházy-Malfatti, ist 1995 im Böhlau Verlag Wien-Köln- Weimar erschienen. Der illustrierte Band hat 266 Seiten und enthält im Anhang auch eine Darstellung des heutigen ungarischen Minderheitenpolitikers Miklos Duray über die Lage der Ungarn in der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg sowie in der neuen Slowakei.

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