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Aus EsterhazyWiki

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Der Ursprung der Familie Esterházy

Die Spuren des Ursprungs der Familie Esterházy aus dem Geschlecht der Salamon reichen in den Nebel der Zeiten zurück, in welchem im Laufe des 11. Jahrhunderts weite Teile des ungarischen Volkes zum christlichem Glauben bekehrt wurden. Die bisher in Stammesgemeinschaften lebenden, einem gemeinsamen Ahnen entsprossenen Geschlechter begannen zu jener Zeit langsam selbständig zu werden, sich aus der Stammesgemeinschaft zu lösen. Diese selbständig gewordenen späteren Geschlechter, lateinisch als "genus" bezeichneten Großfamilien gründeten ihre Siedlungen auf Besitzanteilen aus den von ihrem Stamm besetzten Gebieten, die sie dann Jahrhunderte lang besaßen.

In Ermangelung von Familiennamen im heutigem Sinne nannten sie sich in der Regel als von dem erstmals Christ gewordenem, bzw. besitzerwerbenden Ahn ihrer Familie, dem "genus" entstammend "de genere". Die früheren Christen wählten anläßlich ihres Übertritts für sich Namen aus der biblischen Geschichte. So erhielt auch ein gewisser Salamon einen biblischen Namen. Seine Nachkommen besaßen dann der Unterscheidung halber den Namen "die aus dem Geschlechte Salamon", bzw. entsprechend der zeitgemäßen lateinischen Schreibweise "de genere Salamon".

Karte der Insel Schütt um 1528

Das Geschlecht Salamon besaß bereits zur Zeit des hl.Stephans, des 1. ungarischen Königs, Grundbesitz in der zur Insel Schütt (Csallóköz),später zu Preßburg (Pozsony) gehörendem nördlichem Teil und, jenseits der Donau, im Komitat Veszprém. (1)

Manche Orte auf der Insel Schutt tragen auch heute noch Namen, die an das Geschlecht der Salamon erinnern, wie Illésháza, Tankháza, Bélvata (heute vereinigt unter dem Namen Novy Zivot),sowie andere, an die nur mehr Feldwege erinnern, wie Zerhaz (Ezterház), Pozsonypüspöki (Podunajske Biskupice),oder Salamonfölde im Bereich von Bélvata.

Wir begegnen dem Geschlecht Salamon erstmals im Jahre 1188 in einer Urkunde König Bela's III. (2) .Nach dem Wortlaut der Urkunde, "Mocud de genere Salamon fidelis noster" war dieser in einem Streitfallt (3) im Auftrag des Königs tätig gewesen. Seit dem erstem Drittel der folgenden Jahrhunderte können wir an Hand umfangreichen Urkundenmaterials die Generationenfolge der bekannten Familien des Geschlechtes Salamon und dessen Besitzverhältnisse bis zu jenem Zeitpunkt verfolgen, zu welchem sich der Zweig Zerházi (de Zyrhas) - die Ahnen der Esterhazy - aus dem Hauptzweig der Salamonvata ausschied und selbständig wurde.

Leider war der Glückssterne des Geschlechtes Salamon in der Zeit, in welcher wir auf den Seiten von Urkunden bereits häufiger auf ihre Mitglieder stoßen, bereits im Sinken begriffen. Als Folge der wachsenden Zahl der Familien aus diesem Geschlecht mußten die Fluren des gemeinsamen Grundbesitzes immer mehr aufgeteilt werden, in immer kleinere Parzellen, was einesteils unselige Familienfehden zur Folge hatte, andernteils zu einer fortschreitenden Verarmung des Geschlechts führte. Der Besitz zersplitterte, die Erträge sanken, sodaß sich im Laufe des 13. Jahrhunderts Mitglieder dieses Geschlechtes kaum mehr um höhere Ämter bewerben konnten.(4)

In der letzten Hälfte des l5.Jahrhunderts starben 3 Familien aus dem Hauptstamm des Geschlechts in männlicher Linie aus, was das Problem der zersplitterten Güter für den überlebenden Zweig der Zerházi hätte lösen können. Der Sohn des damaligen Familienchefs Balázs, László II. (1449-1498),wurde jedoch wegen seiner wie derholten Gewalttätigkeiten gegenüber seinem Verwandten Zankházi des Verbrechens der Majestätsbeleidigung für schuldig erklärt. Er wurde zwar begnadigt, doch wurde laut Urteil beinahe sein gesamter Besitz beschlagnahmt, es wurde ihm sogar ein Erbrecht auf Besitz von Verwandten abgesprochen. Lediglich sein unmündiger Sohn Márton (1469-1542) durfte laut Urteil ein Wohngebäude in Zerház mit dem zugehörigem Meierhof behalten.

Somit konnten die Zerházi's von Salamonvata, als Márton großjährig wurde, nur mehr das von ihren Ahnen gegründete, ihrer Familie den Namen gebende Wohngebäude und kaum mehr nennenswerten Grund und Boden ihr eigen nennen.

Martins Sohn Benedek,(1508-1553) verkaufte dann auch die ärmlichen Überreste seines Besitzes an die verwandte Familie Illésházi und übersiedelte um 1550 auf den von seiner Frau Ilona Bessenyei de Galanta geerbten Teilbesitz in Galánta,

Vielen bekannten Beispielen entsprechend hätte dies das Endes des Zweiges Zerházi aus dem Geschlecht der Salamon bedeutet. Ihrer Güter verlustig geworden, wären sie nach und nach in den grauen Reihen des vermögenslosen Kleinadels verschwunden. Dies aber geschah nicht. Benedek hat mit unerhörter Ausdauer arbeitend, seine Familie auf den Weg gebracht, auf dem seine Nachkommen den einstigen Glanz der Salamon's nicht nur erreichten, sondern auch überflügelten, indem sie den Namen Esterházy sowohl in die Geschichte ihres Landes und ganz Europas schrieben und ihren Namen mit dem ihrer neuen Heimat, mit Galánta, verbanden.

Die Tragik der verlorenen Schlacht von Mohács und die bitteren Folgen des Zerfalls des Landes in einzelne Teile haben Benedeks Leben geradezu entzweigeschnitten. Zwar vergrößerte sich einigermaßen sein kleiner Besitz durch die im Jahr 1539 erfolgte Erbteilung unter den Bessenyei's, doch bedurfte es allen Fleißes und Einfallsreichtums von Bessenyei, um die beengte Lage seiner Familie aufzubessern. Unter anderem trachtete er sein bescheidenes Einkommen durch Handeltreiben zu erhöhen. An Hand gewisser Daten können wir darauf schließen, daß er sich über eine mit der Verwandtschaft Bessenyei gegründeten Handelsgesellschaft mit dem damals sehr lukrativem Rindviehexport beschäftigt hat. Diese Annahme stützt sich auch auf ein später an seine Witwe gerichtetes Schreiben (5) der zuständigen Behörde, wonach er bei seinem Tod einen Betrag von 300 Gulden an Zollgebühren schuldete, was auf eine kaufmännische Tätigkeit größeren Ausmaßes schließen läßt. So war er in der Lage, seinem Sohn Ferenc seinen ursprünglich kleinen Besitz in Galánta durch bescheidenen Zuerwerb zu hinterlassen.

Der Sohn Benedek's und Ilona Bessenyei's war es dann auch, der nicht nur an den Vermögensverhältnissen seiner Familie, die Arbeit seines Vaters weiterführend, Zuwächse erzielte, sondern das Ansehen seiner Familie auch durch seine öffentliche Tätigkeit erhöhte.

István Illésházy (1540-1609)

Von der Jugend von Ferenc wissen wir wenig, außer daß er um 1532 in der Kurie seiner Eltern geboren wurde und daß er - aus seiner späteren Karriere schließend - eine gute Erziehung genossen hat. Erst nach dem Tod seines Vaters und seiner Ehe mit Zsófia Katalin Illésházi (1547-1607), der Tochter des Tamás Illésházi, Vizegespans von Preßburg (Pozsony) und dessen zweiter Frau, Zsófia Földes de Kismegyer, einer Schwester des Palatin István Illésházi, gewann er einen sehr großen Einfluß auf seine eigene, sowie die Zukunft seiner Familie.

Ferenc trat im Jahr 1571 in die Dienste des Erzbischofs Antal Verancsics von Gran (Esztergom)(6) .Er begleitete den Erzbischof auf dessen Reisen mit eigenem Diener und Wagen, als Hofbeamter, und wurde gelegentlich auch als Gesandter tätig. In dieser Zeit vermehrte er sein Einkommen, dem Beispiel anderer Herren seiner Zeit folgend, auch durch Pacht der Kirchen-Zehentsteuern.(8) . Diesen Posten bekleidete er bis zum Tod des Erzbischofs 1573.

Zwar besitzen wir darüber keine zuverlässigen Daten, aber es ist anzunehmen, daß er nach dem Tod des Erzbischofs Lutheraner wurde. Als solcher nahm er an Verwaltungsangelegenheiten seiner Kirche teil und trug mit Spenden großzügig zu den Kosten der Herausgabe von religiösen Büchern des gelehrten Predigers Peter Bornemisza bei. In der Liste der Spender erscheint er in Gesellschaft der Größten seiner zeit. anläßlich der Krönung 1576 wurde er vom König in Preßurg (Pozsony) zum Ritter vom goldenem Sporn geschlagen.

Nebenbei beschäftigte sich Ferenc wie sein Vater mit Handelsgeschäften. Einesteils betrieb er weiterhin als Mitglied der von der Verwandtschaft Illésházi gegründeten Handelsgesellschaft den gut florierenden Rindviehexport, andernteils schaltete er sich - wie wir aus einem seiner erhaltenen Briefe erfahren - in den ebenfalls ertragreichen Weinhandel ein.(9) Auf Grund seiner beachtlichen Handelserfahrungen ernannte ihn der Herrscher im Jahr 1585 zum Rat der Königlich Ungarischen Kammer.

Im Jahr 1579 folgte er seinem Schwiegervater, Tamas Illésházy, im Amt des Vizegespans des Komitates Preßburg (Pozsony). Seine Tätigkeit als Vizegespan hatte im Allgemeinem den Charakter eines energischen Auftretens und tiefen Gerechtigkeitssinnes. Er setzte sich gerne für den Schutz der Schwächeren ein, vielfach mächtigen Herren trotzend(10) .

Ferenc konnte aber, den Gewohnheiten der Zeit entsprechend, nicht nur mit der Feder, sondern auch mit dem Schwert umgehen. Angesichts der Gefahr eines türkischen Angriffs hielt er am 20.September 1596 in Seklye (Sala) eine Parade der Komitatstruppen ab und führte sie dann am l. Oktober in das Lager von Ersekujvár. Am 26.0ktober nahm er im Alter von 60 und einigen Jahren selbst am Gefecht von Mezőkeresztes teil, in dem sein Sohn Istyán, den Heldentod erlitt.(11)

Wie wir dies aus Briefen (12) an seinen Freund, Mihály Révay, Vizegespan vom Komitat Turóck wissen, hatte auch Ferenc kein leichtes Leben. So sehr, daß manchmal auch die Versorgung seiner zahlreichen Familie Probleme verursachte. Doch führte seine mühselige Arbeit schließlich doch zum Ziel. Schritt für Schritt vergrößerte er seinen Galántaer Besitz durch Aufkauf mehrerer Bessenye'er Erbteile, für die er im Jahr 1592 von König Rudolf II, eine neue Donation erhielt.(13)

Nikolaus Estoras

Eigentlich erhielt damals der auch von Benedek gebrauchte Familienname "Esterház, manchmal Estoras de Galántha" amtlichen Charakter. Während das väterliche Erbe in Galanta blos aus 11/2 Porta's (6 Leibeigenengrundstücken) bestand, sowie aus einer kleinen Kurie, waren es im Jahr 1600 bereits 12 Porta (48 Leibeigenengrundstücke) und war bereits auch das heute noch vorhandene kleine Schloß sein eigen. Doch besaß er auch Teilgüter in Kosut (Kosuty), Csenk (Zlate Klasy), Szilad (Siladice) und den schönen Weinberg von Magyarbél (Velky Biel). Über seine Frau kam von den Illésházy's noch das Schloß Deményfalu (Domanisa) und die Herrschaft im Komitat Trencsén hinzu. (14)

Das Testament des Palatin István Illésházi ist ein interessanter Beweis dafür, welche Liebe und Hochschätzung der große Palatin gegenüber seinem Schwager empfand. Zwar hinterließ er Burg und Herrschaft Stomfa seinen Schwestern Zsófia und Kata, erteilte aber dennoch seinem Schwager die Vollmacht zur Bewirtschaftung der Einkünfte und beauftragte ihn, den Erben ihren Jahresanteil auszuzahlen. Als Testamentsvollstrecker bestimmte er seine Frau und Ferenc Esterházy. Als Erklärung fügte er folgende mahnende Worte hinzu: "Ich empfehle meiner Frau bei den schwierigen Angelegenheiten der Wirtschaftsführung Herrn Ferenc Esterházy zur Hilfe zu ziehen. Er sei der Präfekt unseres ganzen Vermögens und Deiner Angelegenheiten, halte dich an seinen Rat, denn er ist ein frommer und gerechter Mann."

Seine Gemahlin, Frau Zsófia, überlebte ihren Mann nur ein paar Jahre. Wir wissen zuletzt im Jahr 1607 von ihr, als sie für ihre Familie den Besitz der Frau des Miklos Madács, geborenen Zsófia Bossányi im Komitat Trenesén käuflich erwarb.

Ferenc hat seine Verpflichtungen zeitlebens ehrenhaftig erfüllt. Zwar hinterließ er seinen Nachkommen keine Burgen und mächtige Dominien, verhalf aber seiner Familie auf dem Weg zurück aus dem Zusammenbruch. Er sicherte seinen Söhnen eine ausgezeichnete Erziehung. Sein Sohn Tamás verließ bereits die Universität in Wittenberg und veröffentliche sein erstes Buch. Miklós wurde zwar nach Beendigung seiner Schulzeit "Baptist", erlernte aber unter der Hand seines Onkels, des Palatins, die Staatsgeschäfte. Daniel und Paul waren gerade dabei, ihr Studium zu vollenden. Er hatte vor, die Herrschaft Domanisz seinem ältestem Sohn Gabór und Tamás das Schloß in Galánta zu übertragen und dachte mit Recht, die beiden jüngeren Brüder würden schon in der Lage sein, dem Beispiel ihres Großvaters und Vaters folgend, etwas zu erwerben. Mit seinem Lebenswerk konnte er zufrieden sein. Jedoch konnte er selbst in seinen kühnsten Träumen nicht daran denken, daß kaum 15 Jahre nach seinem Tod aus seinen Söhnen Reichsbarone und Herren von mächtigen Dominien und Burgen werden könnten und daß 21 Jahre später wenigstens der "Baptist" Miklos ein "gnädiger Herr Graf", ein Ritter vom Goldenem Vlies und erster Bannerherr des Landes sein würde. Er konnte nicht wissen, daß seine Söhne nach kurzen zwei Jahrzehnten die alte Herrlichkeit der Salamon's wiederherstellen, ja sie sogar überflügeln würden.

Abkürzungen

MOL Magyar Országos Levéltár (Ungarisches Landesarchiv Bp.)

TT Történelmi Tár (Geschichtssammlung)

T.Gy. Történelmi Gyüjtemény (Geschichtssammlung)

E.J. János Eszterházy: Die Beschreibung der Familie Eszterházy und ihrer Seitenlinien,Bp.1901 Vol.I.Archiv,Vol.II.Biographien.

Notizen

  1. In Györffy Gy.: König Stephan und sein Werk,Bp.1983 (Tabelle).
  2. Codex Arpadianus Contin.II.p.162-63 zitiert die Urkunde König Bela's II.
  3. "Unser getreuer, Herr Mocud aus dem Geschlecht Salmon". J. Eszterhazy nennt ihn in seiner Familiengeschichte "pristaldus", doch erscheint in dieser Urkunde diese Amtsbezeichnung nicht. Ein pristaldus war ein Beamter von verhältnismäßig niederem Rang in der Gerichtsbarkeit des Königs.
  4. In Karacsonyi J.:Die ungarischen Geschlechter bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts. Bp.1901,Vol.III.p.24. "Es war ein vornehmes Geschlecht, das sich jedoch bereits anfangs des XIII. Jahrhunderts so stark ausbreitete, daß seine Mitglieder infolge der Zersplitterung des Vermögens keine Ämter mehr ausüben konnten."
  5. E.J.Vol.I.,p.236,Urkunde Nr.116,zitiert Nagy J. p.106 des Archivinventars des Heimatarchivs.(Hazai Oklevéltar).
  6. E.J.ibid.p.170,Urkunde Nr.103 in MOL. Die Schriften des Preßburger Kapitels Prot.IX,X,Fol.31.
  7. E.J.ibid.p.257,Urkunde Nr.125 "Conventio Egregy Francisei Ezterhas de Galantha cuius annus incipit 22.July 1571. (Weltliches Erzbischöfliches Archiv von Esztergom, Arch. I. Prot. a),p.147.
  8. In Szalay I.: Miklos Esterhazy, Palatin von Ungarn. Vol. p.3.
  9. In Bártfai-Szabó I.: Die Geschichte der Familie Forgách aus dem Geschlecht der Hunt-Pázmán, p.264, zitiert den aus Galánta am 19.III.1580 datierten Brief von Ferenc Est. in Sachen Weintransporte.
  10. Die Briefe des Ferenc Est. an Mihály Révay, im Archiv der Familie der Barone Révay in Kisselmec.
  11. In Szalay, zit. Stelle p.1 und Gy.T. 1831, Vol.X.p.75-76.
  12. siehe 10)
  13. Das Testament des István Illésházi,"Rozombergh,6.VII. l596" in TT 1897, p.702, 751-53 und TT 1597, p.149.
  14. E,J.Vol.II. p.83, FuBnote Nr.86 zitiert Histor. Dipl.de Statu Relig. Evangelicae in Hungaria, Appendix p.21.
  15. Der Grabstein in der röm. Kath. Pfarrkirche in Galánta des königlichen Rates László Kubinyi de Alsó-und Felsökubiny,+ 1598 in Galánta, Gatte der Magdolna, Tochter des Ferenc Est.
  16. MOL: Die Schriften des Konvents der Abtei von Garamszentbenedek Prot.I 37 (vel 371),die Witwe des Ferenc Est.12.III.1607.