Buchpräsentation Nikolaus II Esterházy und die Kunst

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Präsentation der ersten Biografie eines der größten Sammler des 19. Jahrhunderts - Nikolaus II. Esterházy

Rede von Erbprinz Paul-Anton am 26. Feber 2014 in Wien

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Unterstützer, Förderer, Freunde, liebe Familie,

Ich muss zugeben, ich habe mich besonders gefreut, als Stefan [Körner] mich bat, ein paar begrüßende Worte zu sprechen, da sein Werk eine ganz persönliche Bedeutung für mich hat.

„Nikolaus II Esterházy und die Kunst“ eröffnet einen einzigartigen Einblick in eine Epoche der gesellschaftlichen Neuausrichtung, in eine Standesgesellschaft, die sich selbst zu finden versucht, Ihren Anspruch durch Kunst und Kultur als Medium geltend zu machen. Es lässt jedoch auch zu, einen Menschen, der sich von Geburt an genau an dieser Schnittstelle der Zeiten wiederfand, zu verstehen und sein Handeln nachzuvollziehen. So schillernd die Figur Nikolaus II. auch war, so kontrovers waren seine Charakterzüge, sein Schaffen, seine Lebensgeschichte. Nikolaus führte die Familie nicht nur zum Zenit Ihrer Macht und Ihrer Relevanz unter den Adelshäusern Europas; er war auch ein von stetiger Unruhe geprägter Mensch, erdrückt und getrieben von den nie nachlassenden Pflichten seines Standes und seiner Familie, die er durch sein Wirken um ihr sagenhaftes Vermögen fast an den Rand des wirtschaftlichen Ruins führte.

Über die Jahre geriet ich an viel Stoff über sein Wirken als Mäzen der Bildenden Kunst und Musik, besonders als Förderer Joseph Haydns. Jedoch blieb Nikolaus in diesem Kontext meist eine blasse Randfigur. Wenig konnte ich über die Person finden, schon gar nicht erklärt durch den gesellschaftspolitischen Kontext. So hat das Werk wie gesagt eine ganz persönliche Bedeutung für mich. Wie auch seinen Großvater, Nikolaus I., „den Prachtliebenden“, umgab auch Nikolaus den II., „il Magnifico“, für mich immer ein Nimbus der Unantastbarkeit. Dieser sagenumwobenen Vorfahre den ich nur in Ehrfurcht versuchen konnte zu begreifen, in dessen Schatten man sich einzureihen hat... Durch die profunden Einblicke, die durch dieses Werk eröffnet werden ist Nikolaus für mich als Mensch greifbarer geworden, ihn besser zu verstehen. Man begreift, welche Einflüsse, welche Vorbilder und Bezugspersonen, welche gesellschaftlichen Ströme den Charakter von Nikolaus von früh an prägten, und seine komplexe und oft widersprüchlich erscheinende Persönlichkeit prägten. So ist er für mich mehr ein Familienmitglied als nur eine Figur der Geschichte geworden.

Doch dient sein Beispiel auch als Mahnmal. Seine Flucht in die Kunst, Architektur und Kulturförderung als Machtanspruch hatte den wirtschaftlichen Ruin eines der bedeutendsten Vermögen Europas zur Folge. So groß seine Bedeutung als Sammler, Mäzen und Bauherr auch ist, so groß waren die Schuldenberge die er der nachfolgenden Generation hinterließ und die dem fürstlichen Besitz fast ein Jahrhundert der Zwangssequestration bescherte. Das auch heutzutage relevante Beispiel von Nikolaus zeigt einen Teufelskreis auf: den Versuch, einen Standesanspruch durch schillernde Prestigeprojekte zu legitimieren, einen Kurs, der einmal eingeschlagen, bis zum unausweichlichen Ende beibehalten wird - einerseits zur Vermeidung eines Gesichtsverlustes, andererseits in Verdrängung der wirtschaftlichen Konsequenzen.

Nikolaus reihte sich ein in eine Kette von illustren Ahnen, deren Erbe er sich verpflichtet fühlte. Geprägt durch die ausgelebten Macht- und Geltungsansprüche seiner Vorfahren folgte er dem Vorbild seiner Väter und wollte selbst Vorbild sein. Wenn man versucht aus dieser Geschichte Schlüsse zu ziehen, kommt immer wieder die Frage auf: Was bedeutet ein Name wie dieser heute, insbesondere nach dem Verlust der gesellschaftspolitischen Relevanz des einstigen Standes? Letztendlich ist es die Verpflichtung, das geistige und kulturelle Erbe zu bewahren und so innovativ und modern, wie es der Junge Nikolaus schon damals tat, für die späteren Generationen zu wahren.

Abschließend möchte ich mich in die Reihe der Gratulanten einordnen und Dir Stefan - auch im Namen der Familie - für dieses bedeutende wissenschaftliche Werk danken, durch das ich meinem Ur-ur-ur-ur-ur-Großvater ein Stück näher gekommen bin.

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