Admiral Nelson und Esterházy

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Admiral Nelson und Esterházy

Horatio Nelson, Gemälde von Lemuel Francis Abbott 1797 (Öl auf Leinwand, heute National Portrait Gallery London)

Am 3. September schreibt Haydn an seine Verleger Artaria u. Co.: "Meine Fürstin, so eben von Wien kam, sagte mir, dass die Mylady Hammelton den 6ten dieses nach Eisenstadt kommen wird, allwo Sie wünschte meine Cantate Ariadne a Naxos zu singen, welche ich aber nicht besitze, bitte danenhero mit dieselbe möglichst bald zu procurieren und anhero schicken." Drei Tage später treffen die Gäste auf Einladung des Fürsten Esterházy in Eisenstadt ein.

Am Montag, 8. September (möglicherweise auch schon Sonntag, 7. September), wird Haydns Messe "in Angustiis", entweder in der Schlosskapelle oder in der Bergkirche, aufgeführt. Wahrscheinlich trägt sie seither den Namen "Nelsonmesse".

Der junge Lord Malmesbury berichtet am 10. September 1800 aus St. Veit, seinem Vater über den Ausflug nach Eisenstadt: "Am Sonntag abend hatten wir ein großes Feuerwerk. Montag, der ihr jour de fete war, gab es einen sehr großen Ball und gestern die Jagd. Nelson und die Hamiltons waren dort; niemals waren weniger als sechzig oder siebzig Personen beim Diner, in einem herrlichen Saal, der prächtig erleuchtet war. Kurz, das Ganze hatte außerordentlich fürstlichen Stil. Auf Nelsons Gesundheit wurde mit einem Trompetentusch und Kanonenschüssen getrunken. Lady Hamilton ist die ungebildetste, ungeschliffentste, unangenehmste Frau, der ich je begegnete. Die Fürstin hat mit großer Freundlichkeit eine Anzahl von Musikern aufgeboten und den berühmten Haydn, der in ihren Diensten steht, um aufzuspielen. Statt ihnen zuzuhören, setzte sie sich an den Pharo-Tisch, spielte Nelsons Karten und gewann zwischen 300 und 400 Gulden."

Insgesamt werden in Eisenstadt damals vier Konzerte - darunter höchstwahrscheinlich auch die "Schöpfung" - gegeben. Der greise Haydn dirigiert sogar einmal oder zweimal selbst. Sein Biograph Griesinger berichtet: "Haydn fand eine große Bewunderin in Lady Hamilton. Sie stattete, mit Lord Nelson, den Esterhazischen Gütern in Ungarn einen Besuch ab, wandte den Hoheiten aber wenig Aufmerksamkeit zu und verließ niemals die Seite Haydns, während dieser zwei Tage. Haydn hatte damals ein englisches Loblied auf Lord Nelson und seinen Sieg (bei Abukir) komponiert. Milady Knight, die Reisegefährtin der Hamiltons hatte dazu den Text geschrieben."

Auch Miss Knight schreibt in ihren Memoiren darüber: ". . . Ich war entzückt von Haydn. Er speiste mit uns und seine Unterhaltung war bescheiden und sensibel. Er setzte einige Verse, die ich nach der Schlacht vom Nil über die Explosion des ,L'Orient´ geschrieben hatte, in Musik." (Das Autograph Haydns befindet sich übrigens heute in der Nationalen Szechenybücherei, MS.musI. 17 (b), Ungarn.)

Am 9. September, dem Tag der Rückreise nach Wien, erhält Emma von Haydn das Lied "The Spirits Song" in einer Abschrift von Elssler geschenkt. Sie vermerkt handschriftlich: "Dies erhielt Lady Hamilton von dem exzellenten Haydn in Eisenstadt beim Fürsten Esterházy, 9. September 1800." (Heute ebenfalls im Britischen Museum.)

In einem Brief vom 20. September schreibt der schwedische Botschaftssekretär Silverstolpe Lady Hamiltons Erscheinung in Wien: "Sie ist nun 46 und die fetteste Freu, die ich je gesehen habe - aber mit dem schönsten Kopf. Eine Stimme, die alle meine Erwartungen übertraf und ich glaube nicht irgendwann so etwas Himmlisches je gehört zu haben. In ihr ist sowohl Technik als auch Stimme, Gefühl und Musikalität vereint - glauben sie das einem Ohrenzeugen." (Der Vollständigkeit halber muss allerdings gesagt werden, dass die Körperfülle Emmas wohl damit in Zusammenhang gestanden sein dürfte, dass sie etwa vier Monate später Nelsons Tochter "Horatia" zur Welt brachte.)

Die Kaiserin Maria Theresia schreibt am 17. September 1800 an Kaiser Franz: "Über Nelson hat man eine lächerliche Satyre gemacht. Er steht da und Bonaparte geht ihm auf einem Schiff zwischen den Füßen durch, während die Hamilton ihm mit einem Schal die Augen verbindet. Dies wurde ihm an seine Tür geheftet, überhaupt hat man ihn nicht gern. Es ist ein Glück, wenn er geht, denn stelle Dir vor, er kostet alle Woche 800 fl. meiner Mutter, und sie (Emma) kauft ein und ich fürchte, dass alles auf meiner Mutter ihr Konto geht."

Nach insgesamt vier Wochen Aufenthalt beschließen die Hamiltons und Lord Nelson (das "Triangel", wie Maria Carolina sie nennt) die Weiterreise, da der Gesundheitszustand Sir Williams sich sehr verschlechtert. Am Freitag, 26. September, verlässt die 17 Personen umfassende Reisegesellschaft Wien. Über Prag und Dresden geht die Reise nach Hamburg, wo man sich einschifft und am 6. November London erreicht.

Quelle

Dieser Artikel basiert auf dem Buch "Napoleon vor Wien" von Alfred Plischnack, der im Amalthea-Verlag veröffentlicht wurde.
Alfred Plischnack ist Kurator der Napoloenausstellung auf Schloss Luberegg bei Melk.

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